Beim Drop-in-Unterricht in Goa. Foto: Michael Petersohn
Beim Drop-in-Unterricht in Goa. Foto: Michael Petersohn

Alke von Kruszynski

Opfert nicht euren Instinkt auf dem Altar der vermeintlich großartigen Pose. Behandelt euren Körper nicht, als wäre er ein Fremder, sondern entwickelt einen freundschaftlichen Umgang mit ihm. Beobachtet ihn, hört ihm zu. Findet heraus, was er braucht, gebt es ihm – und habt Spaß dabei. Spüren heißt Lebendigsein!“

 – Vanda Scaravelli, aus ihrem Buch "Awakening the Spine"

 

 

DO LESS, FEEL MORE

 

Zum Hatha Yoga kam ich spät in meinem Leben: Anlass waren schmerzhafte Nachwirkungen eines reichlich daneben gegangenen Kaiserschnitts. Und auch der Versuch, Journalisten-Alltag und Familie mit Kind tipptopp unter einen Hut zu bringen, verlangte irgendwann einen Ausgleich.

 

Also landete ich mit 40 Jahren nach einem (sehr kurzen Ausflug) in eine Bikram-Schwitzhöhle und einem Versuch, Kundalini Yoga für mich passend zu finden, beim Sivananda Yoga in Hamburg. Das habe ich 7 Jahre lang sehr begeistert und sehr intensiv bei Christine Bader praktiziert, die auch viele Elemente des Iyengar Yoga in ihre Praxis integriert.

 

Dann fand in Goa/Indien, wo ich jedes Frühjahr den Winter verkürze, meine heutige Lehrerin Liz Warrington – und mit ihr völlig zufällig das Yoga, nach dem sich mein Körper (und mein Geist) immer gesehnt hatten.

 

Intuitives Yoga nach Vanda Scaravelli

 

Es ist die wahrscheinlich seltenste, schönste, freieste, entspannteste und eleganteste Art, den eigenen Körper zu erforschen und ihn über seine vermeintlichen Grenzen hinweg zu bewegen.

 

Vanda Scaravelli, die ebenfalls erst sehr spät im Leben zum Yoga fand und es bis zu ihrem Todesjahr 1999 täglich geübt und gelehrt hat, lernte von den ganz Großen – und entwickelte schnell ihren eigenen, von Schwerkraft, Atem und Leichtigkeit geprägten Stil. Den gab die italienische Yoga-Pionierin an nur eine Handvoll ausgesuchter Schüler weiter.

 

Vanda Scaravelli war – wie ihr langjähriger Freund Krishnamurti – eine kategorische Kritikerin fester Regeln und Methoden, die das Freie, Forschende und Selbstbestimmte des Menschen beschneiden. Konsequenterweise wollte sie ihrer Art, Yoga zu betreiben und zu lehren, nie ihren Namen aufdrücken. Da jeder Mensch, jeder Körper anders ist und jeder, der Yoga übt, eine ganz individuelle Yogareise antritt, braucht Yoga nach Ansicht Vanda Scaravellis (und ihrer Schüler) keine Methode, keine Regeln. Sondern Achtsamkeit. Um ohne Ehrgeiz jede Asana im Körper zu spüren, bevor sie entsteht.

 

Wer so übt, wird seinem Körper niemals Schaden zuzufügen. Sondern übt aus einem gelernten Gefühl für den Körper heraus – im Zusammenspiel mit dessen großartigen Mechanismen und Entwicklungsfähigkeiten. Er übt Intuitives Yoga.

 

Zu dieser Philosophie fühlte sich mein Körper, mein ganzes Sein hingezogen. Ich hatte trotz vieler Workshops, Yogareisen und unzähliger Yogastunden in den unterschiedlichsten Stilen nie zuvor Yoga-Lehrende gesehen, die sich so achtsam, so geschmeidig und bewundernswert graziös (in die Asanas) bewegten wie die nach Vanda Scaravellis Lehre praktizierenden Yoginis und Yogis.

 

So und nicht anders sollte auch mein Yoga werden – diesen Wunsch habe ich zu meinem Ziel erklärt.

 

Weil es in Deutschland keine und in anderen Ländern nur wenige Menschen gibt, die in Vandas Tradition Yogalehrer-Ausbildungen anbieten, hat es weitere 7 Jahre Praxis, Workshops (u. a. mit Diane Long und Sandra Sabatini, zwei der vier langjährigen Schülerinnen Vandas) und Yogareisen gedauert, bis ich mich endlich zur Yogalehrerin nach den Prinzipien Vandas ausbilden lassen konnte. Meine großartigen Lehrer waren Helen Noakes, Steve Bracken (unser Guru der Faszien-Forschung und des "liquid body") sowie Rupert Johnson – das Yoga Health Mandala Team.

 

Jetzt bin ich überglücklich, Vanda Scaravellis Ideen und eine von ihr inspirierte Praxis des Intuitiven Yoga auch in Hamburg weitergeben zu können. Und zwar an Übende jeden Alters und in so ziemlich jeder physischen Verfassung.

 

Eine Eigenart dieses Yoga-Verständnisses ist konsequenter Weise, dass jeder Lehrer anders unterrichtet. Alles befolgen dieselben grundsätzlichen Prinzipien. Aber die Umsetzung ist natürlich und naturgegeben individuell anders. Denn jeder kann und sollte nur das weitergeben, was sie oder er auch selber "erspürt" und verinnerlicht hat.

 

Wer mehr über die Besonderheiten und Prinzipien des Intuitiven Yoga nach Vanda Scaravelli wissen möchte, erfährt auf dieser Website noch viel mehr oder besucht jene befreundete Webseiten, die von den wenigen Yogalehrern der "1. Generation" sowie einer Auswahl weiterer Erben dieses Yogas betrieben werden.

 

Enjoy the ride. 

 

Diesen lustigen Blog-Beitrag von Esther auf ihrem 40-something-Blog über ihre ersten Erfahrungen mit diesem Hatha-Stil möchte ich euch nicht vorenthalten ;) Allerdings stand sie während ihres 6-wöchigen Destress-Yoga-Abos auch wirklich nicht in dieser Asana … Sondern hat einfach mal versucht, mit weniger "mehr" für sich zu erreichen …

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