Yin, De-Stress, Regeneration – die Yogatrends, die zur Zeit passen

Ich sage immer: Jede Stadt hat das Yoga, das sie verdient. 

 

In Hamburg, wo ich seit über 40 Jahren lebe, sind die Menschen leistungsorientiert und perfektionsverliebt. Das laissez-faire jedenfalls wurde in der Hanseatenstadt definitiv nicht erfunden. Wenn ich mir vor allem die Frauen im Sport ansehe, habe ich manchmal den Eindruck, von weiblichen Biorobotern umgeben zu sein.

 

Pauschal betrachtet sind Hanseatinnen karrierebewusst, leistungsstark, ordnungsliebend. Ihre Einstellung zu Genuss und Exzess ist puritanischer Natur: Zwei Weinschorlen und vielleicht einmal eine leichte Ökozigarette, nichts Fettes essen … also bitte nicht zu viel und zu oft, sonst kommen Karriere und Körper in die Bredouille.

 

Zugegeben, das ist sehr über einen Kamm geschoren. Aber im Vergleich mit den katholisch geprägten, genussfreudigen Münchenerinnen, die ich fast 3 Jahre lang studieren durfte, oder den herrlich lebensfrohen Londonerinnen kommen die Damen Hamburgs deutlich unterkühlter und strenger (mit sich selbst) weg.

 

Das scheint sich auch in ihrer Präferenz im Yoga niederzuschlagen. Herausfordernde Stile, die an die Grenzen der phsysischen Belastung gehen (und deshalb Muckis an allen bekannten und weniger bekannten Körperstellen zaubern, Stichwort: Knackpo-Yoga), sind überdurchschnittlich gut frequentiert. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum eine Tendenz Richtung entspannendes Yoga zu beobachten ist?!

Wo viel Fordern ist, das stellt sich nämlich schnell eine tief empfundene Sehnsucht nach dem Gegenteil ein.

 

Wer in seinem Hamburger Poweryoga- oder Acrobatic-Studio zusätzlich Yin oder Restoratives Yoga anbietet, dürfte sich jedenfalls über ausgezeichnete Kurs-Auslastung freuen.

 

Mich irritiert dieses Polarität. Fast scheint es, als würde es bei dieser Art Yoga-Angebot hauptsächlich um Auspowern einerseits und Erholen andererseits gehen.

 

Doch ist das der tiefere Sinn im Yoga-Üben? Soll man sich, um den Körper zu stählen, derart anstrengen, dass man sich nur noch nach Loslassen sehnt?

Und ist das Anspannen und im Gegenzug beim Yin Yoga starke Dehnen und Ziehen an den Gelenken eine ideale und gesunde Art, mit seinem heiligen BodyMind umzugehen?

 

Im Intuitiven Yoga, aber auch bei anderen langsamer geübten Hatha-Varianten bleibt man mit dem Belastungspegel in der Mitte – dort, wo Yogaasanas den Köper meiner persönlichen Einschätzung nach hinführen und sanft optimieren helfen sollten.

 

Meine Empfehlung: Hinterfragt in puncto Yogapraxis eure Motive und Impulse. Pendelt mit eurem Körper nicht zwischen Extremen, sondern erweist ihm Respekt, erkundet ihn achtsam und erhaltet ihn gesund. Ganz egal, ob in Hamburg, Berlin, London oder Bad Ganderstein.

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