"Yoga sollte nicht geübt werden, um den Körper zu kontrollieren. Im Gegenteil. Es sollte dem Körper Freiheit geben – alle Freiheit, die er braucht.“
– Vanda Scaravelli
Vanda Scaravelli (* 1908 – 1999, Florenz), hat das Hatha-Yoga durch ihre einzigartige Interpretation der Asana-Praxis und der Lehre grundlegend beeinflusst.
Mit 40 kam die Italienerin über einen Freund der Familie erstmals mit Yoga in Kontakt. Ihr Vater war Musikwissenschaftler, zu dessen regelmäßigen Hausgästen die größten Musiker der damaligen Zeit gehörten. Über Yehudi Menhin und den befreundeten Philosophen J. Krishnamurti lernte Vanda, selbst ausgebildete Konzertpianistin, nach dem 2. Weltkrieg die Yogalehrer B.K.S. Iyengar und später T.K.V. Desikachar kennen. Beide waren von von T. Krishnamacharya geschickt und reisten über viele Sommer nach Gstaad in die Schweiz, wo sie Menuhin und Krishnamurti privaten Unterricht gaben. Vanda wurde Schülerin von B.K.S. Iyengar und entwickelte Jahre später ihre eigene Weise, den Körper in der Yoga-Praxis weniger zu fordern, sondern eher intuitiv mit dem Rhythmus von Natur und Atem zu vereinen.
Für sie waren „unendlich viel Zeit und absolut kein Ehrgeiz“ sowie konzentrierte Bewusstheit die Schlüssel zu einem leichten, mühelos erscheinenden Yoga – zu einer Entspanntheit des Körpers, aus der heraus er sich ohne Anstrengung und mit Sicherheit für Muskeln und Gelenke in die kompliziertesten Positionen entfalten kann.
Ihr Wissen gab Vanda unentgeltlich an handverlesene Schüler weiter – ganz so, wie Yoga über Jahrhunderte gelehrt wurde. Da jeder dieser Schüler einen anderen Körper und physischen Background hatte, war ihr Unterricht für jeden anders. Entsprechend dieser Auffassung kann Intuitives Yoga auch nicht einer „Methode“, einem festgelegten Ablauf folgen. Sondern setzt nach ihren Prinzipien ein gesundes Körperbewusstheit in den Mittelpunkt der Yogapraxis.
Diese Art des Yoga-Übens ist revolutionär und einzigartig, weil es nicht das Ziel verfolgt, eine bestimmte Asana einzunehmen oder Position zu erreichen. Ehrgeiz ist sogar eher hinderlich, wenn man Yoga nach diesem Ansatz verstehen und praktizieren möchte. Das Ziel ist niemals die "ideale" Pose. Das Ziel ist vielmehr die intensive, individuelle Achtsamkeit als Voraussetzung für das Entstehen jeder Asana.
Yoga soll transformieren, soll gesund sein, Ausgleich bieten, Freude machen und inneren Wachstum ermöglichen – ganz egal, welche körperlichen Voraussetzungen man zum Üben mitbringt. Solange man nur Geduld, Hingabe und Kontinuität mitbringt ;)
Intuitives Yoga lehrt keine Methode oder bestimmte, festgelegte, sportive Bewegungsabfolgen. Intuitives Yoga lässt Asanas aus dem Inneren der unterschiedlichsten Körper erblühen. Deshalb gibt es in dieser Art des Yoga weder Anfänger noch Fortgeschrittene. Nur Übende.
Sandra Sabatini war eine der wenigen handverlesenen Schülerinnen Vandas (und außerdem die Lehrerin meiner Lehrerin Liz Warrington). Während eines Workshops mit Sandra in 2016 hatte ich Gelegenheit für ein Interview.
Das 45-Minuten-Gespräch skizziert in Anekdoten und persönlichen Erfahrungen die Charakteristika und die Einzigartigkeit dieser Yogapraxis. Es beschreibt Sandras Reise vom Iyengar Yoga zum Intuitiven Yoga, warum und wie sie Vandas Schülerin wurde und wie Vanda über die Berührung, den Atem, die Verbindung zur Schwerkraft und über eine achtsame Erkundung des physischen Körpers das Verständnis von Yoga revolutionierte.
